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Blog · 9. August 2026 · 5 Min Lesezeit

Sieben blinde Flecken im Selbstbild

Wo dein Selbstbild dich unter Druck angreift, lässt sich verorten. Die sieben Bereiche sind keine Schubladen, sondern eine Landkarte für die Diagnose.

Selbstbild, negative Kerngedanken und Glaubenssätze steuern unter Druck deine Leistung. Wie das im Detail funktioniert, habe ich im ersten Teil dieser Serie beschrieben. Die drei häufigsten Kerngedanken, nicht gut genug, nicht liebenswert, unwichtig, sind nur der Ausgangspunkt. In der Praxis lässt sich das Feld genauer beschreiben, als Profil über sieben Bereiche. Deinen dominanten Bereich erkennst du an der Frage, die dein Selbstbild stellt, sobald Bedeutung entsteht.

In den seltensten Fällen wirkt in dir nur ein einziger negativer Kerngedanke. Meist dominiert ein Bereich, der unter Druck am stärksten anschlägt, während ein Spektrum aus schwächeren Bereichen mitläuft. Dein Selbstbild ist also kein Satz, sondern ein Profil.

Netzdiagramm mit sieben Achsen für die Bereiche der Kerngedanken, eine Achse deutlich stärker ausgeprägt
Beispiel eines Kerngedanken-Profils, eine Achse dominiert, die anderen laufen schwächer mit

Übung zum Mitlesen: Setz dich aufrecht hin und entspann dich aktiv. Lies die typischen Sätze zu jedem Bereich einmal laut, dann mit geschlossenen Augen noch einmal. Spür ein paar Sekunden nach. Wie hat sich das angefühlt? Habe ich emotional reagiert? Wenn ja, schreib den Gedanken auf.

Bereich 1 · Kompetenz

„Ich bin nicht gut genug.“ „Ich bin ein Versager.“ „Ich bekomme das nicht hin.“

Dieser Kerngedanke wirkt leistungsnah und wird deshalb häufig mit Ehrgeiz verwechselt. In Wahrheit erzeugt er eine permanente Beweislogik. Leistung wird dann nicht mehr ausgeführt, sie wird bewiesen, und genau das macht dich unter Druck kontrollierend.

Kompetenz zeigt sich in Prozessdisziplin, nicht in Kontrolle. Sobald du beweisen willst, verlierst du Präzision.

Bereich 2 · Selbstwert

„Ich bin nicht liebenswert.“ „Ich bin es nicht wert.“ „Ich bin unwichtig.“

Selbstwert-Kerngedanken zeigen sich oft in zwei Richtungen. Bei Abhängigkeit ist Zugehörigkeit unsicher, und Leistung wird zur Strategie, sie zu sichern. Du schießt nicht frei, du schießt für Anerkennung. Bei Unsichtbarkeit wirkt das Gefühl, keinen Raum einnehmen zu dürfen. Nach außen sieht das ruhig und bescheiden aus, nach innen begrenzt es Leistung systematisch.

Zugehörigkeit ist kein Score. Solange du um Anerkennung schießt, schießt du auf hohem Niveau nicht stabil.

Bereich 3 · Macht und Wirkung

„Ich bin schwach.“ „Ich bin machtlos.“ „Ich fühle mich ausgeliefert.“

Dieser Bereich verschiebt deine Steuerung nach außen. Du erlebst die Bedingungen als Täter und dich als Opfer, ob Wind, Gegner, Material, Kampfrichter oder Tagesform.

Einfluss ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung im Prozess. Du kontrollierst nicht alles, aber du kontrollierst deine nächsten zwei Handlungen.

Bereich 4 · Zugehörigkeit im goldenen Käfig

„Ich bin anders.“ „Ich bin seltsam.“ „Ich bin etwas Besseres.“

Das klingt nicht negativ, und genau deshalb ist dieser Bereich gefährlich. Meist steckt dahinter kein echtes Selbstvertrauen, sondern ein Schutz. Wer „anders“ oder „besser“ ist, muss sich nicht vergleichen und nicht verletzlich werden. Der goldene Käfig ist eine Identitätsfalle. Du gehörst dazu, aber nur, solange du die Sonderrolle hältst.

Besonderheit ist kein Leistungsfaktor. Sobald sie dich isoliert, kostet sie Punkte.

Bereich 5 · Körper und Kopf

„Ich vertraue meinem Körper nicht.“ „Ich bin zu schwach.“ „Ich bin zu klein.“

Wenn du deinem Körper misstraust, kontrollierst du ihn ständig. Kontrolle erzeugt Spannung, und Spannung zerstört Timing und flüssige Bewegung.

Dein Körper ist kein Gegner, er ist dein Effektor. Wenn du ihn wie ein Risiko behandelst, reagiert er wie ein Risiko.

Bereich 6 · Zugehörigkeit zur Gruppe

„Ich bin nicht erwünscht.“ „Ich gehöre nicht dazu.“ „Ich bin außen vor.“

Jede Gruppe wird damit zum Bewertungsraum. Team, Verein, Kader, Trainingsgruppe, überall musst du dich erst beweisen, bevor du dich sicher fühlst. Und ganz sicher fühlst du dich nie.

Zugehörigkeit entsteht durch Klarheit, nicht durch Perfektion. Du kannst nicht dazugehören, wenn du dich permanent versteckst oder ständig im Mittelpunkt stehen musst.

Bereich 7 · Moral

„Ich bin ein schlechter Mensch.“ „Ich bin falsch.“ „Ich bin das Allerletzte.“

Dieser Bereich tarnt sich oft als Gewissen. In Wahrheit ist er eine Identitätsbedrohung, denn Fehler sind dann keine Fehler mehr, sie sind Schuld. Du bestrafst dich innerlich nach jedem Patzer und sabotierst Erfolg, sobald er real wird.

Moral ist kein Performance-Regelkreis. Wenn du Leistung mit Schuld koppelst, bringst du sie unter Druck nicht.

Der Bereich ist nicht das Problem. Die Reaktion ist es.

Die sieben Bereiche beschreiben, wo dein Selbstbild dich angreift. Entscheidend ist, wie du reagierst.

  • Kampf macht dich verkrampft.
  • Resignation macht dich passiv.
  • Führung macht dich präzise.

Der nächste Schritt ist nicht „positiv denken“. Der nächste Schritt ist, deine Kerngedanken zu entlarven, sie zu erkennen, wenn sie aktiv werden, und ihnen trotzdem nicht die Führung zu überlassen. Drei Werkzeuge helfen dir dabei im Moment der Bedeutung, sie stehen im dritten Teil dieser Serie.

Die ausführliche Diagnoselogik der sieben Bereiche mit dem Coaching-Ansatz zu jedem Bereich findest du in Kapitel 5 meines Buchs Denken schlägt Gedanken. Wenn du dein eigenes Profil mit mir klären willst, ist das Erstgespräch der Einstieg.

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Jan Veltin Georgi
Jan Veltin Georgi IFAA Weltmeister Team 2023 · Gründer Mind driven Shooting · Autor
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